GESCHICHTE
Aus einem Wohnprojekt in den frühen 1990er-Jahren entstand die Stiftung Netzwerk. Heute engagiert sie sich in den Bereichen Wohnen, Arbeit sowie Jugend- und Familienarbeit für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Die Wurzeln der Non-Profit-Organisation Stiftung Netzwerk reichen zurück in die frühen 1990er-Jahre. Damals herrschte im Kanton Zürich eine spürbare Wohnungsnot, sodass zahlreiche Menschen mit finanziellen und sozialen Schwierigkeiten nur schwer eine Wohnung finden konnten.
Aus dieser Situation heraus gründete die Gemeinnützige Gesellschaft Bezirk Hinwil (GGBH) 1991 ein Wohnprojekt. Als Teil der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft wurde, unter der Leitung von Präsident Herrn Wachter, ein erstes und noch sehr theoretisches Konzept entwickelt. 1992 übernahm Kaspar Jucker von Gerold Westermann die Konzeptverantwortung und setzte die Idee tatkräftig um: Leerstehender Wohnraum wurde mit eigenen Mitteln und Unterstützung von Handwerkern instand gesetzt und günstig vermietet. Dieses Projekt trug den Namen «Soziales Wohnen» und war ein Vorläufer dessen, was man heute als Zwischennutzung kennt. Schon nach kurzer Zeit standen 30 bis 50 Wohnungen zur Verfügung.
Parallel wuchs die offene Drogenszene in Zürich und im Zürcher Oberland. Einige Bewohner:innen des Projekts «Soziales Wohnen» kämpften mit Suchtproblemen oder psychischen Belastungen. Schnell wurde klar: Wohnraum allein reicht nicht. Gemeinsam mit Daniel Keller entstand so 1993 das Begleitete Wohnen (BW). Die Fachstellen der Region unterstützten das Angebot und vermittelten Klient:innen in einer Zeit mit grossen gesellschaftlichen Spannungen rund um die Drogenszene am Platzspitz und am Letten.
Aufgrund des zunehmenden Drogenelends und der Auflösung der offenen Szene am Letten im Jahr 1995, einigten sich die Stadt Zürich und die Gemeinden des Kantons Zürich auf das Ziel, die Verantwortung für suchtbetroffene Menschen zu verteilen und den Aufbau dezentraler Unterstützungsangebote zu fördern. Ein Kompromiss, bei dem sich Gemeinden verpflichteten, in ihren Regionen geeignete Wohn- und Betreuungsangebote zu schaffen oder zu unterstützen. Im Zuge dessen baten die Gemeinden auch die Stiftung Netzwerk, weitere niederschwellige Wohnangebote zu schaffen. Daraus entstanden erste Häuser mit Betreuung direkt für Menschen von der Strasse oder aus Notschlafstellen im Bereich der Schadensminderung, auf der Vier-Säulen-Prinzip Prävention, Therapie, Schadenminderung und Repression.
Bald zeigte sich: Viele Bewohner:innen brauchten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Arbeit und Tagesstruktur. Daraus entstand 1995 das erste Beschäftigungsprogramm, der Jobbus/Garage. Der Jobbus für mobile Einsätze in Gärten und Gemeinden, die Garage als stationäre Werkstatt. 1998 folgten die ersten Jugendwohnungen in Uster, 2000 dann mit dem Mittagstisch in der Beiz der Kulturfabrik Wetzikon ein weiteres Beschäftigungsprogramm. Von 2001 bis 2006 übernahm die Stiftung Netzwerk zudem die Geschäftsleitung der Dezentralen Drogenhilfe Mittleres Glattal (DDMG).
Inspiriert durch den Mittagstisch, eröffnete die Stiftung Netzwerk 2005 mit dem Restaurant Konter in Wetzikon den ersten Gastronomiebetrieb als Arbeitsintegrationsprojekt für Jugendliche mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Parallel wurde zudem die AIP Schule im gleichen Gebäude gegründet, um die Lernenden zu unterstützen. Zudem engagierte sich die Stiftung Netzwerk ab 2005 verstärkt in der Jugend- und Familienarbeit. In den nächsten Jahren folgten die AIP-Betriebe Restaurant Viadukt und das Konzertlokal Bogen F in Zürich, die Schreinerei und der Betriebsunterhalt in Wetzikon sowie in Seegräben der Dorfladen und das LadenBistro Tössfeld in Winterthur.
Aus den ersten Wohnungen in den 1990er-Jahren ist eine Organisation gewachsen, die heute in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Jugend und Familie breit aufgestellt ist. Die Stiftung Netzwerk bleibt ihrem Ursprung treu, Menschen in schwierigen Lebenslagen Chancen geben – mit Wohnraum, Begleitung, Arbeit und Gemeinschaft.
DIE STIFTUNG IN JAHREN
1991
/ Gründung Wohnnetz der Gemeinnützigen Gesellschaft Bezirk Hinwil (GGBH) in Tann-Rüti
1992
/ Gründung Soziales Wohnen
1993
/ Eröffnung des Begleiteten Wohnens
1994–1996
/ Zusammenarbeit mit dem Verein «Frowen Power», Betrieb einer Frauennotwohnung im Zürcher Oberland
1995
/ Eröffnung der Geschäftsstelle in Uster
/ Eröffnung der Auffangwohngruppe in Wetzikon
/ Eröffnung der Wohnhilfe in Uster
/ Eröffnung der ersten Jugendwohnung, damals noch in Rüti
/ Jobbus/Garage mit Treffpunkten in Uster, Wetzikon und Tann-Rüti
1997
/ Eröffnung der Werkstatt Jobbus/Garage
/ Werkstatt Jobbus/Garage in Wetzikon
1998
/ Gründung der Stiftung Netzwerk
/ Umzug der Geschäftsstelle von Tann nach Rüti
/ Beginn des Angebots Jugendwohnungen in Uster
2000–2002
/ Mittagstisch in der Kulturfabrik Wetzikon
2001–2006
/ Übernahme der Geschäftsleitung Dezentrale Drogenhilfe mittleres Glattal (DDMG)
2001–2007
/ Kooperation mit dem Verein Midnight Basketball
2004
/ Auflösung Soziales Wohnen
2005
/ Eröffnung Restaurant Konter und AIP Schule
/ Start Arbeitsintegrationsprojekte für JugendlicheKonzerte im Restaurant Konter
/ Gründung der Ambulanten Jugend- und Familienbegleitung (AJFB)
2008
/ Eröffnung mittagstisch eis, Wetzikon
2010
/ Dorfladen Seegräben Eröffnung und Gründung als AIP
/ Eröffnung Restaurant Viadukt, Zürich
/ Eröffnung Gemüsebau, als Teil des Jobbus/Garage
2010 bis 2012
/ Konzerte im Restaurant Viadukt, Zürich
2011
/ Eröffnung Geschäftsstelle Winterthur
2012
/ Eröffnung Bogen F, Zürich
2018
/ Jugendwohnungen Standort Zürich
/ Schreinerei – Gründung als AIP
2020
/ Gründung des Betriebsunterhalts
2022
/ Eröffnung LadenBistro Winterthur Tössfeld
2024
/ Jugendwohnungen Standort Winterthur